Aale und Turbinenschäden

Ein wesentlicher Punkt zur Wiederherstellung der natürlichen Ertragsfähigkeit und zum guten Ökologischen Zustand/Potential im Sinne der Wasserrahmenrichlinie ist die lineare Durchgängigkeit des Hauptgewässers Main und die damit zusammenhängende Vernetzung mit den Nebengewässern.

Die Passierbarkeit der Fischauf- sowie Fischabstiegshilfen ist je nach Fischart und Grössenspektrum, sowie der Bauform der Wanderhilfe unterschiedlich.

Hier spielen die maximalen Strömungsgeschwindigkeiten, das Wanderungsverhalten der Fischarten, das Auffinden der Umgehungen etc. eine große Rolle.

Dies bedeutet, dass zur Überwindung einer Wanderbarriere je nach Zusammensetzung des Wanderfischspektrums eine Kombination aus mehreren Einzelmaßnahmen erforderlich sein kann. Darüberhinaus ist die Menge der wandernden Fische für die Dimensionierung relevant.

Um die Anforderungen für verschiedenen Barrieren zusammenzutragen, in unserem Fall vorrangig die Stauwehre am Main, habe ich als Muster eine Tabelle erstellt, in der nach gleichem Schema für alle Stauhaltungen die entspechenden Daten in separate Tebellenblätter eingetragen werden sollten.

Neben den technischen Daten wie z.B. Pegel, durchschnittlichen Abflussmengen, Fläche der Stauhaltung etc. sind dies u.a.:

vorhandene Nebengewässer

mögliche Laichhabitate

geschätzte Ertragsfähigkeit

geschätzter Fischbestand (Faustformel 3 x Ertragsfähigkeit)

Die einzelnen Fischarten und Längenspektren bei Wanderung, Art des Wanderverhaltens, ....

Dabei bin ich von einem unverbauten, ökologisch gutem Zustand mit Wandermöglichkeit von der Nordsee bis zum RMD-Kanal ausgegangen.

Die Mengen sind teilweise aufgrund historischer Daten geschätzt (u.a. Nasenfänge der Fischerzunft Gemünden, ...).

Vergleicht man diese Zahlen mit den aktuellen Untersuchungen zu Fischwanderungen, den Nebenergebnissen bei der Untersuchung der Turbinenpassage in Dettelbach, den Zählungen an den Fischtreppen in Iffezheim und Gambsheim, so erscheinen diese zwar sehr hoch.

Dabei ist zu beachten, dass die Wanderfischarten nocht nicht wieder eingebürgert sind und der Fischbestand bzw. Fischertrag aktuell nur bei einem Bruchteil, vielleicht 20%, der früheren Werte liegt. Weiterhin liegt eine Verschiebung der Fischartenzusammensetzung vor da die Lang- und Mitteldistanzwanderfische, insbesondere Nasen, Barben, Aale, derzeit nur noch in geringer Anzahl vorhanden sind.

Bleibt zu hoffen, dass unabhängig von der Diskussion um die Zuständigkeit für die Wiederherstellung der Durchgängigkeit, in naher Zukunft unserem Main technisch wieder die Möglichkeit gegeben wird einen gesunden Fischbestand mit natürlicher Reproduktion zu erhalten.

Tabelle Turbinenschaden Aal:

Aus verschiedenen Untersuchungen zu Fischschädigung an Turbinen in Wasserkraftwerken sind zwischenzeitlich Zahlen zu unterschiedlichen Fischarten und Längen verfügbar.

Insbesondere relevant ist hier der Aal, da dieser in seinem Bestand gefährdet ist.

Weiterhin ist er von der Schädigung in den Turbinen aufgrund seines Wanderverhaltens, seiner Verletzungsrate und der Passierbarkeit der Schutzeinrichtungen vor den Turbinen besonders betroffen.

Da der Aal bei der Laichwanderung alle Turbinen zwischen seinem Lebensraum und der Nordsee unbeschadet überwinden muss, ist die Wahrscheinlichkeit hierzu umso geringer, je höher die Anzahl der Turbinen und je höher die Beschädigungsrate in den einzelnen Turbinen ist.
Anhand der Tabelle und der zugrundeliegenden Berechnung über eine Potenzreihe ist schnell erkenntlich, dass bei einer Mortalitätsrate von 30%, entsprechend einer Überlebensrate von 70 %, kaum noch Aale den Rhein erreichen.

Klicken Sie einmal auf die Tabelle (oben), so können Sie die Excel-Datei herunterladen und mit geänderten Daten andere Ergebnisse erzielen (getestet mit MS Excel 2007, Star Office 8.0 und Open Office 3.1).

Versuchen Sie auch mal Ihr Glück bei nachfolgendem Geschicklichkeitsspiel:

http://www.vfg-bw.org/seite464.htm

Sie werden merken, dass Sie vielleicht 4 oder 5 Turbinen schaffen, aber mehr als 10 werden Sie kaum erreichen. Im Umkehrschluss erreichen die Aale aus den Oberläufen unserer staugeregelten Flüsse das laichgebiet in der Sargossasee nicht mehr. Dort getätigter Besatz ist für die Reproduktion verloren.